Ganze 7 Monate (die mir wie eine Ewigkeit vorkamen) nach meinem letzten Aufenthalt in Ghana war es endlich wieder soweit…

Voller Vorfreude wurde ich in Nkawkaw bei Eric von den Kindern begrüßt. Da gerade Osterferien waren, waren auch fast alle Kids dort versammelt. So konnten wir pünktlich zum Ostersonntag ein gemeinsames Festmahl zaubern und so das Osterfest gebührend feiern. Dazu gehört auch, dass wir zusammen nach Obomeng fuhren und gemeinsam mit tausenden weiteren Ghanaern durch die Straßen tanzten, den das kleine verschlafene Dörfchen ist am Osterwochenende Treffpunkt für Feierfreudige aus dem ganzen Land.

Vom Osterfest in Obomeng gibt es leider keine Bilder, denn wo viele Menschen sind, sind auch viele lange Finger... Unser Sonnenschein Kudjo und Gershon sind die derzeit die Einzigen, die dauerhaft bei Eric leben. Kudjo war morgens damit beschäftigt die Hühner zu versorgen und den weiteren Tag begleitete er mich oft durch die Khwahu Region, während Gershon fleißig für seine Abschlussprüfung lernte. Ich versuchte ihn dabei so gut es geht zu unterstützen oder einfach zum Lernen zu motivieren. Die ersten Prüfungen verliefen zu seiner Zufriedenheit und auch ich bin guter Hoffnung, dass er einen guten Abschluss absolviert und anschließend ein Jurastudium aufnehmen kann. Dafür sollten wir schon mal beginnen zu sparen... 

Nana Yaw besuchte mich gleich am zweiten Tag meines Aufenthaltes. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, es ist einfach unglaublich wie schnell unser „Kleiner“ in die Höhe schießt und welche Entwicklungssprünge er seit der Aufnahme ins Waisenhaus 2010 machte. Voller Freude nahm er die Geschenke seiner Pateneltern entgegen und seine Augen beginnen zu strahlen. Vielen Dank Miriam und Marcell!  

Auch Kezia machte sich gleich zwei Tage nach meiner Ankunft auf den Weg nach Nkawkaw um die zwei Wochen mit mir zu verbringen. So konnten wir gemeinsam kochen, waschen, Einkäufe erledigen oder einfach nur mal einen gemütlichen Mädelsabend veranstalten. 

 

Am Mittwoch machten Kezia, Kudjo, Eric und ich uns auf die lange Reise nach Koforidua. Nach einer äußerst heißen und holprigen Fahrt wurden wir mit großer Begeisterung von den Zwillingen P und K und ihrem Bruder Eric empfangen. Auch die drei Brüder sind schon wieder unglaublich gewachsen, trotzdem werden sie immer unsere „Kleinen“ bleiben... In der Schule schlagen sie sich weiterhin tapfer, was ihre Zeugnisse eindeutig zeigen. Auch Eric freute sich sichtlich über seine Geschenke und besonders über den Brief seiner Pateneltern. Die  Schulmaterilien und Bücher teilte er natürlich  mit seinen Brüdern und so strahlten alle drei um die Wette...Vielen Dank an Steffi und Michel!   

Eine Fahrt nach Koforidua bedeutet normalerweise auch ein Besuch bei unserer lieben Ruth aber sie war leider über die Osterferien in den Norden zu fernen Verwandten gereist so dass ich sie dieses Mal leider nicht sehen konnte. Ein Besuch bei den Pflegeeltern zeigte mir dennoch, dass es ihr dort gut geht und auch ihre schulische Leistungen weiterhin Bestens sind. Besonders ihrer kreative Ader kann sie in zusätzlichen Kunststunden freien Lauf lassen.

Auch Desmond konnte ich in Koforidua antreffen. Da er jedoch gerade in der Prüfungsphase steckt, war er fleißig am Lernen – hoffentlich mit großen Erfolg!

Weiterhin lebt auch James in dieser Stadt. So konnten wir uns alle gemeinsam zum Mittag treffen und hören wie es ihnen in den letzten Monaten ergangen ist, was sie benötigen und wie wir weiter vorgehen auf dem steinigen Weg der Berufsfindung. Auch wenn uns das Verwaltungssytem in Ghana  so manchmal an unsere Grenzen bringt, werden wir  weiterhin versuchen ihm die Ausbildung bei der Polizei zu ermöglich. Nach einem weiteren Gespräch mit den polizeilichen Behörden besteht Hoffnung, dass James nun irgendwann in diesem Jahr (in Ghana dauert für gewöhnlich alles sehr lang) eingestellt wird. Bis dahin werden wir ihm weiterhin jeden Monat unterstützen.

Einen ersten Erfolg konnte ich während meines Aufenthaltes mit Lamptey feiern. Wir besuchten gemeinsam das Training Collage in dem er die Ausbildung zum Pädagogen absolvieren möchte und leisteten dort schon die erste Anzahlung für das kommende Semester im September. Einer Einstellung steht daher nicht mehr viel im Wege. Auch wenn die Bewerbungsverfahren ein langwieriger Prozess ist, sind wir bei seinem guten Abschluss zuversichtlich!

Genau eine Woche nach meiner Ankunft stand das Highlight meines Aufenthalts auf dem Programm – die Fahrt zum See. Dieser Ausflug wurde sich von den Kindern schon lange im Vorfeld gewünscht und demzufolge war die Freude riesig als es nun endlich los ging… mit Säcken voller Kleidung für die Dorfbewohner im Gepäck besuchten Eric, die Kinder und ich Gershons Heimatdorf am See. Nach einer laaaangen und steinigen Fahrt (mit geplatztem Reifen) wurden wir herzlich im Dorf begrüßt. Und es ließ nicht lange auf sich warten, bis die Jungs den Klängen der Dorfkirche folgten und dort eine äußert amüsante Tanzeinlage lieferten. Danach hatten sie sich eine Abkühlung im See verdient und so ging es auf ins kühle Nass. Das war ein Spaß für alle - ob groß oder klein, Schwimmer oder Nichtschwimmer! Nach einer kurzen Mittagspause einschließlich leckerem Essen und Mittagsruhe ging es auf zur zweiten Runde Wasserspaß und Boot fahren. Wie schön!!!

Unser kleiner Wildfang Esther hat erneut ihren Wohnsitz geändert. Zurück in ihre ehemalige Pflegefamilie. Den Grund dafür konnte ich zwar nicht eindeutig in Erfahrung bringen aber wenn sie sich in den doch eher einfachen Lebensverhältnissen wohler fühlt und dort leben möchte, unterstützen wir sie natürlich gern dabei und versorgen die Familie mit ausreichend Nahrung. Die Familie ist sehr glücklich über die Rückkehr ihrer „Tochter“ und somit besucht Esther nun wieder die Schule, in welche wir sie vor drei Jahren eingeschult haben. Wieder vereint mit ihren Klassenkameraden zeigt sie sich sehr glücklich!

 Mensah wäre nicht Mensah wenn er immer noch die Arbeit verrichten würde, die wir gemeinsam mit ihm gesucht haben. Nein – natürlich nicht! Wir haben schon vieles versucht um Mensah, unseren kleinen eher praktisch statt theoretisch veranlagtem Sorgenkind, einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Vom Schneider über Tischler bis hin zum Maurer versuchte er sich, doch leider ohne Erfolg. Nun hat er aber anscheinend seine Berufung gefunden: Kellnern! Eric hat ihm diesen Job bei seiner Schwester im Restaurant etwa eine Stunde entfernt von Nkawkaw besorgt. Wie ich bei meinen Besuchen feststellen konnte, hat Mensah tatsächlich viel Spaß daran, wird mit reichlich Essen versorgt und verdient zudem genug Geld um jeden Monat etwas zu sparen. Zur kleinen Unterstützung gab es von uns für unser Matheass Mensah einen Taschenrechner …denn wer Mensah kennt, weiß Kopfrechnen ist nicht seine Stärke embarassed

Bei meinem Besuch zu Mensah nach Konongo folgten mir Kudjo, Lamptey, Prince, Atta, Eric, Ebenezer und Kezia denn auch sie wollten ihren „Bruder“ Mensah besuchen und natürlich das leckere Essen kosten. So verbrachten wir in großer Runde einen gemütlichen Abend und kehrten an meinem letzten Abend zu einem festlichen Abschiedsessen zurück. Fufu – Was für ein Festschmaus...Dabei wird der Abschiedsschmerz für einen Augenblick verdrängt...