Schon vor Beginn der Reise hatte ich ein sehr ungutes Gefühl. Hatte ich irgendwas vergessen, fällt der Flug aus, geht mein Gepäck verloren? Ich wusste es wird etwas passieren…Und so war es dann auch. Bei der Gepäckabgabe stellte sich heraus, dass mein Freigepäck nicht wie üblich 2x 32 kg betrug sondern lediglich 2x 23kg. So musste ich noch langen Diskussionen noch 80 Dollar nachzahlen- Wie ärgerlich!. Selbstverständlich habe ich den Betrag aus eigener Tasche bezahlt und nicht von euren großzügigen Spenden! Damit war es allerdings noch nicht genug: Auch die weitere Reise gestaltete sich nicht sehr angenehm. 

Nach 20 Stunden Aufenthalt in Istanbul und einem sich wie Kaugummi ziehenden Flug nach Ghana, kam ich völlig erschöpft in Accra an... Erneut hatte ich das Gefühl, das etwas nicht in Ordnung sei...mit mir selbst...Auf Grund der aktuellen Problematik mit Ebola werden alle Flugpassagiere nach der Landung einem Gesundheitstest unterzogen...Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht: Mit mir stimmte tatsächlich etwas nicht, denn bei der „Ebolakontrolle“ zeigte das Thermometer 39.5 °C an. Mist, Fieber, das hatte gerade noch gefehlt. Die Aufregung beim Flughafenpersonal war groß: Sollte ich der erste Ebolafall in Ghana sein? Auf diesen Orden hatte ich es natürlich nicht abgesehen!!! Es erforderte mich Stunden, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass ich bereits in Deutschland leicht erkältet gewesen war und das Fieber eine relativ harmlose Begleiterscheinung meiner laufenden Nase und dem Kratzen im Hals sei...Um keinen Preis der Welt wollte ich mich in ein ghanaisches Krankenhaus verfrachten lassen...Das Krankenhaus blieb mir glücklicherweise am Ende erspart, die Einnahme verschiedener „Wundermittel“ war jedoch Bedingung um Einreisen zu dürfen...Die schlechte Laune des Reisegottes war jedoch noch nicht vorüber: Aufgrund von Bauarbeiten und der immernoch schlechten Straße dauerte der Transport nach Nkawkaw doppelt so lange wie üblich: Sage und schreibe 8 Stunden! Die Strapazen der Reise waren dann allerdings bereits am nächsten Morgen vergessen, denn endlich konnte ich die „Kinder“ wieder sehen: Kudjo, Gershon, Lamptey, Prince und auch die Kleinen, sie waren alle da! Da war auch das Fieber fast wie weggeblasen...

 

 

Traditionell ist der erste Tag in Ghana immer für eine XXL-Shopping Tour auf dem Markt reserviert. Auch diesmal kauften wir kräftig ein um für die ganze Bande zu kochen...Denn das Haus ist immer besonders voll, wenn jemand von GhanAid zu Besuch kommt... 

Am Sonntag begann dann der Tag mit einem Gottesdienst in Kudjos Kirche. Mittlerweile ist er in dieser Kirchengemeinde so gut integriert, dass er bereits einen Teil des Gottesdienstes übernimmt! Ich war sehr stolz auf ihn, auch, weil er zusätzlich alles noch für mich ins Englische übersetzte!! Im Anschluss am dem Gottesdienst stand eine Fahrt in die Berge an, nach Obomeng und Mpreaso. Dort besuchte ich Roman und Ernest. Roman weiss noch nicht genau, wie es weiter geht, er interessiert sich für den Beruf des Taxifahrers. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das wirklich sein Beruf werden kann. Ernest geht es sehr gut, allerdings heisst es für ihn nun bald „Bye Bye Mpreaso“ und „Hello Officier“: Er wurde beim Militär genommen! Es gilt in Ghana als ein Privileg dem Militär anzugehören. Wer eine militärische Laufbahn einschlagen kann, genießt eine bessere soziale Stellung in der Gesellschaft und erhält ein hohes Gehalt. Eine Anstellung beim Militär war Ernests großer Traum. Nach langem Warten nun also endlich die Zusage. Er ist glücklich und träumt davon, mit dem Gehalt eines Tages die Jüngeren aus dem ehemaligen Kinderheim unterstützen zu können...  

Zu Beginn der nächsten Woche konnte ich auch endlich Esther wieder in die Arme schließen und in der Schule mit ihrer Lehrerin sprechen. Da sie in den letzten Jahren ein paar Mal ihren Wohnort gewechselt hat, ist sie nun die älteste in ihrer neuen Klasse, aber dafür hat sie sich sehr gut in ihre neue Klasse integriert und zeigt auch gute Leistungen im Unterricht. Wir hoffen, dass sie nun in dieser Schule bleibt. Sie hatte es in ihrem bisherigen Leben ganz besonders schwer, daher tut es ihr vielleicht sogar gut, dass ihr (ungeplanterweise) ein bisschen mehr Zeit zugestanden wird. Ohne Zweifel wird sie ihren Weg gehen, sie ist ein wirklich kluges Mädchen, das immer schon sehr schnell gelernt hat. Über die Geschenke ihrer Pateneltern Dana und Michi hat sie sich unglaublich gefreut. Lieben Dank an dieser Stelle an Euch!                               

Am Abend wurde ich dann von Jungs mit dem Nationalgericht und meinem Lieblingsessen „Fufu“ überrascht. Was für ein Genuss! Als Dankeschön gab es dann von mir zum Frühstück am nächsten Tag Pancakes für alle...Vermutlich das Lieblingsessen eines jeden Kindes...Auch wenn Pfannenkuchen in Ghana eigentlich unbekannt sind, so ist es auch bei unseren Kindern nicht anders als bei vielen deutschen Kindern: Seit sie den ersten Happen dieses süßen, fettigen Teiglappen verzehrt haben, ist der Pfannenkuchen von der Top 10 der Lieblingsgerichte nicht mehr wegzudenken! 

Mitte der ersten Woche besuchte uns dann Doritha in Nkawkaw und wir fuhren gemeinsam zu ihrer Tochter nach Obomeng. Wie wir bereits berichtet haben, hatte Doritha ihre Ausbildung zur Friseuse nicht beenden wollen. Nachdem nun lange Zeit unklar war, wie es weitergehen soll und Doritha sich mit verschiedene Gelegenheitsjobs über die Runden gebracht hatte, ist sie mittlerweile nach Kumasi gezogen. Dort arbeitet sie in einem indischen Restaurant. Leider hat Doritha sich dafür entschieden, ihre Tochter Christiana nicht mitzunehmen. Sie befand es für besser, Christiana in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen. Eine solche Entscheidung- auch wenn sie für uns schwer nachvollziehbar ist- ist in Ghana nicht unüblich. Natürlich hätten wir es lieber gesehen, wenn Christiana in der Nähe ihrer Mutter aufwachsen würde, aber wir müssen akzeptieren, dass sich Doritha dafür entschieden hat, ihre Tochter in die Obhut einer guten Freundin zu geben. Als Doritha und ich in die Schule eintrafen, kam Christiana sofort angerannt und fiel ihrer Mutter um den Hals und auch mich erkannte sie gleich wieder. Wie groß sie mittlerweile ist!

Den Tag beendeten wir mit einem Besuch bei Mensah in Konongo. Auch er freute sich seine „Geschwister“ und mich wiederzusehen und wir verbrachten eine schöne Zeit zusammen in seinem neuen zu Hause. Er hat sich sehr zum Positiven verändert und nimmt die Arbeit im Restaurant sehr ernst. Dass Mensah nun schon solange den Job im Restaurant ausübt macht uns wirklich stolz. Ausserdem hat er es sogar geschafft, etwas Geld zu sparen. Damit möchte er sich etwas Eigenes aufbauen. Er möchte nicht für immer im Restaurant bleiben, aber er hat gelernt, dass ihm diese Arbeit hilft, seinen großem Traum von einem eigenen Stück Land zu verwirklichen. Ganz reicht das Ersparte noch nicht, aber wenn alles klappt, wird sein Traum (mit ein bisschen Unterstützung von GhanAid) vielleicht bald schon greifbarer...Er hätte es sich wirklich verdient.

Am Tag 7 meines Aufenthaltes in Ghana besuchten wir Nana Yaw in seinem Dorf und trafen dort auf einen kleinen aufgeweckten jungen Mann, der gerade mit seinen Kumpels spielte. Ihm geht es sehr gut und auch die Schule scheint ihm großen Spaß zu bereiten. Wir sind sehr erleichtert, dass seine Sprachlosigkeit gegenüber Erwachsenen nun der Vergangenheit angehört. Wie viel leichter hat er es nun in der Schule! Seine häusliche Situation macht uns allerdings noch etwas Sorgen. Seine Großmutter versorgt ihn zwar gut, allerdings arbeitet sie (trotz ihres hohen Alters) hart. Einige Male hat sie bereits schon angemerkt, dass sie sich nicht ewig um den Jungen kümmern könne. Auch sie wird nicht jünger...Aber aktuell geht es ihm gut und gerade weil seine sozialen Probleme sich deutlich gebessert haben, wäre es sicherlich gut für ihn, wenn er solange wie möglich an diesem Ort bleiben könnte. Bei unserem Besuch habe ich ihm auch die Geschenke seiner Pateneltern aus Deutschland überreicht: Er hat sich sehr gefreut, lieben Dank an Miriam und Marcell, dass ihr an Nana Yaw gedacht habt und ihn unterstützt!!! Am Freitag kam dann schließlich unser Sonnenschein Kezia nach Nkawkaw und verbrachte das ganze Wochenende bei uns! So konnten wir gemeinsam kochen und bis in die Nacht quatschen...

Den Samstag nutzen wir dann um nach Koforidua zu fahren und Eric, P, K, Ruth und James zu besuchen. Was für ein schöner Tag. Zuerst fuhren wir zu Ruth nach Hause und führten ein sehr langes Gespräch mit ihrer Pflegemutter und ihr, den zwischen der jungen Dame und der Pflegemutter gab es in letzter Zeit einige Probleme. Aber ehrlich gesagt, diese verflixte Phase, in der man kein Kind mehr ist, aber eben doch noch nicht Erwachsen, war doch für uns alle schwer...Oder nicht? Wir hoffen, dass sich die Situation zu Hause für alle bald wieder bessert. Nach dem Gespräch zeigte Ruth uns dann voller Stolz ihre letzten Zeugnisse die beweisen, was sie für eine fleißige Schülerin sie ist. Besonders die künstlerischen Fächer, welche GhanAid zusätzlich für sie bezahlt bereiten ihr große Freude. Im Anschluss machten wir uns auf zu Eric und seinen beiden kleinen Brüdern. Und wieder musste ich (wie eine dieser nervigen Tanten) sagen: „Seid ihr groß geworden!“ Ich befürchte, dass sie bald schon größer als ich sind und damit dann endgültig keine „Kleinen“ mehr. Sie strahlten voller Freude als sie uns sahen und auch die drei überraschten uns mit sehr guten schulischen Leistungen und sportlichen Erfolgen. Denn P und K sind die schnellsten Sprinter in ihrer Schule und das macht die beiden sehr stolz. Auch sonst geht es der Familie gut und sie fühlen sich sehr wohl. Allerdings musste ich (wie schon so oft) erneut feststellen, dass manche Entscheidungen für meinen deutschen Kopf schlicht und einfach nicht nachvollziehbar sind: Obwohl Eric zu den besten Schülern seiner Klasse gehört, muss er das Schuljahr wiederholen. Warum? Die Klasse war zu groß und man liess per Los 10 Schüler ermitteln, die das Jahr wiederholen müssen. Nicht die, die es eventuell sowieso nötig gehabt hätten, sondern eben 10 zufällig ausgewählte Schüler sollten durch das Wiederholen das Problem der überfüllten Klasse beheben. Unglaublich, aber eben Ghana. Wir müssen das leider so akzeptieren, aber wer weiß vielleicht schadet es Eric am Ende gar nicht, wenn die große Entscheidungen der Berufswahl noch etwas wartet. Bevor wir uns verabschieden mussten, konnten wir den drei Jungs noch eine große Freunde machen mit Stiften und Schulmaterialien. Auch Eric hat sich über die Kleidung von seinen deutschen Paten sehr gefreut. Danke Steffi und Michel!

Später besuchten wir noch James in einem kleinen Dorf etwas außerhalb von Koforidua. Die Dorfbewohner empfingen uns sehr herzlich und wollten uns gleich einen Eimer Riesen-Schnecken als Leckerei zum Abendessen verkaufen. Aber zu meiner Erleichterung lehnte Eric ab, obwohl er kurz überlegte… James geht es sehr gut, da er allerdings immer noch auf seine Einstellung bei der Polizei wartet, entschied er sich kurzfristig dafür, mit uns für ein paar Tage nach Nkawkaw zu kommen. So konnte er etwas Zeit mit seinen „Brüdern“ Kudjo, Gerhson, Lamptey und Prince verbringen und auch am Sonntag gemeinsam mit uns zum traditionellen „See-Ausflug“ fahren…

 Wie bei jedem Besuch in Ghana, ist der Höhepunkt einer jeden Ghanareise der Besuch bei Gershons Eltern am Volta-See. Dieser Ausflug ist mein persönliches Geschenk an die Kids. Am Sonntag machten wir uns also auf die Reise: Ingesamt mussten wir für die 20 Ausflügler drei Autos anmieten. Nach der Fahrt über unbefestigte Schotterpisten waren wir alle froh, als wir endlich am Ziel waren...Die Bewohner des kleinen Dorfes begrüßten uns herzlich und einer Traube von Kinder rannten den Autos hinterher. Unser Besuch ist nicht nur für die „Tomo-Ni“ Kinder eine Besonderheit, sonder auch für die Dorfbewohner. Denn wie auch in den vergangen Jahren, brachten wir wieder unzählige Kleidungsstücke, Nahrung, Seife und natürlich ein paar Süßigkeiten für die Kleinsten mit in das weit abgelegene Dorf. Wie Weihnachten- für alle...Bloß eben nicht im Dezember. Nach einer Runde Badespaß für alle verteilten wir, was wir mitgebracht hatten. Insbesondere die Kinderkleidung hat viele Gesichter strahlen lassen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an den Judoclub in Leipzig, der uns seit dem letzten Jahr mit zahlreichen schönen Kindersachen unterstützt. Ein ganz herzliches Dankeschön auch an Juliane und ihrer Freundinnen für die wunderschöne Bekleidung für Kleinkinder. Vielen Dank!!! Auch wenn wir uns auf die Unterstützung der ehemaligen „Tomo-NI“- Kinder konzentrieren, ist es überwältigend, dass die Hilfsbereitschaft in Deutschland so groß ist, dass genügend übrig bleibt, um auch andere Kinder ein bisschen Freude zu bereiten. 

Meine letzten drei Tage verbrachte ich damit alle Kinder erneut zu besuchen und mich schon wieder zu verabschieden. Wie schnell die Zeit al wieder verging, kaum angekommen ist es immer so bald schon wieder Zeit sich zu verabschieden… Auf beiden Seiten die eine oder andere Träne, aber ich weiß ja- wirklich lange wird es nicht dauern, bis ich wieder roten Sand auf den Füßen habe und die Rasselbande wieder sehen werde. Zum Schluss nochmal ein Dankeschön an euch alle, die ihr uns als Verein und damit all diese wunderbaren Kinder unterstützt. Nur durch eure Hilfe ist es überhaupt möglich ein solches Projekt über Jahre aufrechtzuerhalten. Dankeschön!