Endlich wieder Ghana!

Die Vorfreude war riesengroß, als ich mich Richtung Flughafen machte, endlich die alte Rasselbande wieder sehen und in mein zweites Zuhause zurückzukehren. Dieses Mal war auch mein Freund Franciscus dabei. Ich freute mich schon darauf, ihn alles zeigen zu können! Nach einer reibungslos verlaufenden Reise stiegt ich am frühen Abend in Accra aus dem klimatisierten Flugzeug- direkt hinein in die altbekannten Mischung aus Hitze und feuchter Luft, ich wusste ich bin wieder da! Schnell also in das nächste Trotro Richtung Nkawkaw gestiegen. Gegen 1:00 Uhr morgens kamen wir dann endlich bei Eric in Amamfrom an.

Am nächsten Morgen stand der traditionelle Großeinkauf an. Ich ging zusammen mit Erics Bruder nach Nkawkaw in die Stadt, wo wir das Essen für die anstehenden zwei Wochen besorgten, sowie die eine oder andere Besonderheit für die Kinder. Der Rest des Tages verlief ganz entspannt und wir spielten gemeinsam Karten und planten den Verlauf der nächsten zwei Wochen. Bei Eric waren zu dem Zeitpunkt Kudjo, Prince und Lemptey. Kudjo wartet noch immer auf eine Zu- oder Absage für die Ausbildung beim Militär, Prince holt gerade noch seine letzten Prüfungen nach, um danach hoffentlich endlich seine Ausbildung zum Lehrer zu beginnen. Lemptey hat diese Ausbildung bereits begonnen und hatte gerade Semesterferien.

Am nächsten Morgen stand erst einmal ein Besuch bei Esthers Schule an. Als wir ankamen, dauerte es eine Weile, bis ich Esther entdecken konnte, denn zunächst war die ganze Schule in Aufruhr – die Kinder freuen sich immer über Besucher. Als ich sie endlich entdeckte, strahlte sie wie immer über beide Ohren und war stolz, mir ihre Lehrerin und Freunde vorzustellen und mir ihr Klassenzimmer zu zeigen. Nach einem Gespräch mit ihrer Lehrerin stellte sich heraus, dass Esther sich in der Schule zunehmend besser macht, regelmäßig da ist und immer besser aufpasst. Natürlich ist sie nach wie vor manchmal ein bisschen stur und ein bisschen frech, wie mir auch ihre Tante bei einem Besuch am Nachmittag erzählte. Aber genau so kennen und lieben wir unsere kecke Esther ja.

Am darauf folgenden Tag stand der Besuch bei Nana Yaw an, ebenfalls zuerst bei seiner Schule und dann bei ihm zuhause. In der Schule macht sich Nana Yaw sehr gut, er ist fleißig und sehr gewissenhaft in dem was er tut und wird im kommenden Jahr bereits die erste Klasse besuchen dürfen... Auch zuhause bei seiner Oma geht es Nana Yaw gut, er hat dort viele Freunde und sie versorgt ihn gut. Das einzige Problem das bleibt, ist wohl das Alter seiner Oma, denn irgendwann wird sie ihn nicht mehr so gut versorgen können. Wir hoffen allerdings dass es bis dahin noch weit hin ist!

Der nächste Besuch stand bei Ernest an; er war wie immer fleißig am Arbeiten in Mpraeso. Ihm geht es auch sehr gut, wartet jedoch noch immer, zusammen mit Kudjo, auf seine Zu- oder Absage beim Militär. Der Bewerbungsprozess ist in Ghana sehr langwierig, aber wir drücken noch immer alle Daumen, denn das Militär ist in Ghana ein sehr angesehener und gut bezahlter Beruf und es ist sehr schwer dort aufgenommen zu werden. Als Plan B für beide Jungs steht die Polizei oder das Zollamt eine Option dar.

Als nächstes ging es nach Korfuridua, Ruth besuchen. In letzter Zeit war es für Ruth schwieriger geworden regelmäßig in die Schule zu gehen. Auch zwischen ihr und ihre Tante war das Verhältnis nicht das einfachste gewesen. Ich hoffte sehr, eine Veränderung der Situation dort vorzufinden. Nach ihrem letzten Gespräch mit Christin schien die Gesamtsituation jedoch nach wie vor unverändert zu sein. Ich habe nochmals ein ernstes Gespräch mit ihr geführt und ihr die Wichtigkeit ihrer Schulbildung nahe gelegt, ich hoffe sehr, dass Christin bei ihrem nächsten Besuch eine Veränderung sehen wird.

In Korfuridua leben aber auch noch unser Geschwister-Trio; P, K, und Yaw (Eric). Ich freute mich sehr darauf, sie endlich wieder zu sehen, und heute sollte es soweit sein! Noch nicht einmal bei Ihnen zuhause angekommen, rannten sie uns aufgeregt entgegen – sie sind so groß geworden! Sie sind seit meinem letzten Besuch in Ghana umgezogen Ich war sehr gespannt darauf, ihr neues Zuhause zu sehen. Sie leben jetzt sehr schön, etwas abgelegen zwar, aber hier geht es Ihnen viel besser. Ihre Mutter Florence ist die Haushälterin des Hauses und deshalb dürfen sie dort umsonst wohnen. Den Jungs geht es allen sehr gut, sie haben viele Freunde in ihrem Ort und scheinen sehr glücklich zu sein. Auch an ihrer Schule gab es von den Lehrern nur Gutes über die Jungs zu berichten und Yaw erzählte mir von seinen Plänen, eines Tages selbst Lehrer zu werden.

Am Sonntag begann der Tag ganz toll, denn unser Sonnenschein Kezia kam uns besuchen! Ihr geht es ebenfalls sehr gut und sie strahlte wie immer- unser Sonnenschein eben. Sie plant, nach der Schule eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Am Sonntagmorgen gingen dann Kezia, Franciscus und ich mit Kudjo zu seiner Kirche. Heute war ein besonderer Tag, denn Kudjo würde ein Teil des Gottesdienstes halten, ich war schon gespannt! Kudjo machte seine Sache sehr gut und hielt nicht nur den Gottesdienst in Twi ab, sondern übersetze auch alles noch einmal ins Englische für Franciscus und mich. Ich war sehr stolz auf ihn!

Am Mittag machten wir uns in großer Runde auf zu Mensah, der noch immer in dem Restaurant von Erics Schwester arbeitete. Alle freuten sich darauf, ihren „Bruder“ Mensah wieder zu sehen und auch Ernest kam von Mpraeso für den Ausflug dazu. Dort angekommen fanden wir Mensah bereits fleißig am Fufu stampfen, denn er wollte uns ein leckeres Mittagsessen zaubern. Es war toll ihn bei seiner Arbeit zuzusehen, denn er nimmt seine Arbeit sehr ernst und schlägt sich sehr gut. Sein großer Wunsch ist und bleibt jedoch nach wie vor, eines Tages seinen eigenen kleinen Bauernhof zu besitzen und davon leben zu können. Dafür haben wir ihm vor kurzem ein Stück Land gekauft, welches er im Moment gut hegt und pflegt und wofür er monatlich Geld zurücklegt, um in den nächsten Jahren darauf bauen zu können.

Auch unsere zwei Laboranten, James und Gershon kamen an dem Tag zu Mensah und auch ihnen scheint es sehr gut zu gehen. Sie haben viel Spaß bei ihrer Ausbildung und geben sich viel Mühe bei dem schwierigen Lernstoff mitzuhalten. Die erste Prüfung ist auch schon bald in Aussicht, wir sind gespannt wie sie sich anstellen werden.

Am nächsten Tag haben wir unsere aller kleinste, Dorithas Kind Christiana, besucht. Christiana wohnt im Moment bei ihren Großeltern, dort geht es ihr sehr gut und sie wirkt glücklich und zufrieden, obwohl sie sicherlich auch ihre Mutter vermisst. Leider kann sie im Moment nicht bei Doritha leben, da Doritha wegen ihrer Arbeit in Accra leben muss – hier werden für mich kulturelle Unterschiede wieder sehr deutlich spürbar, denn für mich ist diese Situation aus der westlichen Sichtweise kaum nachvollziehbar, hier jedoch eine ganz normale Situation.

Doritha konnte sie an meinem letzten Tag in Ghana besuchen. Sie arbeitet als Haushälterin für eine Geschäftsfrau in einem wunderschönen und sehr reichen Anwesen. Dort hat sie ein schönes Zimmer und bekommt ein gutes Gehalt, so kann sie monatlich immer genug Geld zu ihrer Tochter schicken.

Als nächstes stand ein Besuch bei der neuen Nursing School von James und Gershon an, an der sie sich zu Laboranten ausbilden lassen. Ich war schon gespannt darauf, mir die Schule näher anzusehen. James und Gershon haben wir fleißig am Studieren im Klassenzimmer angetroffen. Die Lehrer berichteten davon, dass beide sehr fleißige Schüler sind, jedoch muss man die erste Prüfung noch abwarten, um ihre Leistungen genauer einschätzen zu können.

Beide hofften sehr darauf, dass auch Desmond noch in diesem Semester hinzustoßen wird. Allerdings ist die Schule sehr teuer, deshalb wollten wir diese Entscheidung nicht leichtsinnig zu treffen und diese zusammen mit Desmond in Ruhe durchdenken. Nach reichliche Überlegung und vielen Gesprächen, stand letzten Endes aber fest, Desmond möchte diese Ausbildung unbedingt machen. Dank einer sehr großzügigen Spende von Frau Thürmann, konnten wir ihm diesen Wunsch erfüllen und er konnte noch in derselben Woche dort seine Ausbildung beginnen.

Nun neigte sich meine Zeit in Ghana auch schon langsam aber sicher dem Ende zu. In den letzten Tagen genoss ich einfach nur verbleibende Zeit mit den Kindern. Mit Kezia habe ich an einem Tag ein „Mädchen – Ausflug“ nach Korfuridua zum Perlenmarkt gemacht, wo sie sich ein paar schöne Ketten und Armbänder aussuchen durfte. Am letzten Abend gab es dann die traditionelle Abschiedsfeier mit Malt, Popcorn, Vanillepudding und natürlich den allseits beliebten Pfannenkuchen.

Schweren Herzens musste ich mich nun wieder von Ghana und unseren Kindern verabschieden, freue mich aber jetzt schon auf meinen nächsten Besuch!

An alle Paten, Spender und Mitglieder noch einmal ein herzliches Dankeschön, ohne euch wäre diese Arbeit niemals möglich, danke für euer Vertrauen.

Medawase!