März 2016- Christin in Ghana

Innerhalb von kürzester Zeit bin ich nun viermal nach Ghana gereist (Oktober, Dezember, Januar und März), immer mehr fühlt es sich für mich so an, also ob ich nach einem kurzen Urlaub in Deutschland wieder zurück nach Ghana, nach Hause komme...

Leider musste ich auch dieses Mal einen 19-stündigen Aufenthalt in Istanbul in Kauf nehmen, aber was macht man nicht alles für die Kinder... Wie fast immer, ging auch diesesmal irgendetwas auf der Reise schief: Nach dieser laaangen Reise kam am Flughafen der große Schreck... kein Gepäck für mich dabei. Laut Aussage der ghanaischen Flughafenmitarbeiter war die Maschine in Istanbul zu schwer und da wurde kurzer Hand etwas Gepäck dort gelassen. Letzlich kam das Gepäck dann doch am nächsten Abend an. Eigentlich war es am Ende gar nicht so schlimm, denn ich habe meine zwei Hosen und drei T-shirts sowieso immer im Handgepäck dabei.

Nachdem ich also wieder in Besitz meines Gepäcks war, ging die Reise von der Hauptstadt weiter ins Landesinnere...Da die Busse nur abfahren wenn auch wirklich der letzte Platz besetzt ist, musste ich noch von 23 Uhr bis 2 Uhr nachts warten bis es endlich weiter ging... Es ist schon fast selbstverständlich, dass der Bus nach einer halbe Stunde eine Panne hatte...Manchmal kommt alles zusammen... Zum Glück schlief ich irgendwann so tief und fest, dass ich die Reperaturarbeiten und das weiter Warten kaum realisierte...Im ersten Morgengrauen erwachte ich kurz vor meinem Zielort Nkawkaw. Als ich „zu Hause“ ankam, waren alle schon fleißig am Arbeiten. Kujo versorgte gerade die Ziegen und Hühner, Prince war schon mit dem Schneiden des Fleisches beschäftigt und während Eric im Hof die Tische für den Verkauf der Ware (Fleisch und Fisch) säuberte, kehrte Ama noch draußen den Eingang zum Haus. Alle waren sehr glücklich mich zu sehen und ich war ebenfalls einfach nur froh alle in den Arm nehmen zu können. Besonders als die Kleinen erwachten war die Freude riesig laughing

In den nächsten Tagen war ich wie immer damit beschäftigt alle Kinder zu besuchen, welche in Pflegefamilien oder im Internat wohnen...

 

Die erste Reise führte mich zu Nana Yaw nach Nteso. Bereits am Morgen konnte ich ihn in der Schule antreffen während er fleißig beim Rechnen mit Flaschendeckeln war. Sein Lehrer, ein herzlicher älterer Mann, berichtete mir wie gut sich Nana Yaw entwickelt und stets dazu lernt. Er beschreibt ihn immer noch als liebenswerten Jungen, welcher stets höflich zu den Lehrern ist und sehr brav im Unterricht ist. Besonders begeistert bin ich als Lehrerin stets über die schöne Lernatmosphäre mit 9 Kindern in der Klasse und der Fürsorge des Lehrers. Er schlägt die Kinder nie wenn sie eine falsche Antwort geben oder sich nicht richtig verhalten. Aus diesem Grund kann Nana Yaw dort ohne Ängste und Sorgen lernen. Das macht uns sehr glücklich. Hier auch noch vielen Dank für die tollen Bücher an die Pateneltern Miriam und Marcel!

Die zweite Reise führte mich zu Esther. Auch sie traf ich in der Schule an, aber sie hatte zufällig gerade Pause, so konnten wir in Ruhe ein Stückchen spazieren gehen, ihr etwas zu Essen zu kaufen und in Ruhe über die Schule und ihre Pflegefamilie sprechen. Esther ist leider in der Schule nicht die Beste, da sie sehr große Probleme hat sich zu konzentrieren. Sie erkennt ihr Problem zwar selbst an, aber sie schafft es noch nicht daran etwas zu ändern. Jedoch arbeitet sie gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin daran. Aufgrund ihrer schlimmen Kindheit und prägenden Erlebnissen ist auch die Lehrerin sehr verständnisvoll und versucht Esther wo sie nur kann zu unterstützen. Leider bereitet ihr vor allem das Lesen noch sehr große Probleme und wirft sie schulisch immer wieder zurück. Abgesehen davon geht es ihr sehr gut und sie strahlt wie eh und je. Besonders über die Geschenke ihrer Pateneltern Dana und Michi hat sie sich wieder sehr gefreut. Danke!

Unsere Zwillinge P und K waren wieder die gesamten Ferein mit bei Eric auf der Hühnerfarm und somit konnte ich sie jeden Tag sehen und Zeit mit ihnen verbringen. Einfach tolle Jungs, die ständig mithelfen oder sich einen Ball schnappen und mit den Kindern aus dem Dorf Fußball spielen. Es war einfach schön sie jeden Tag um mich zu haben und mit ihnen zu lachen und zu spielen. Auch ihr großer Bruder Eric kam einen über die Osterferien nach Nkawkaw und er wird immer mehr ein „richtiger“ Mann. Nun schreibt er schon seine Abschlussprüfung in der Junior High School und wird am Ende diesem Jahres die Secondary High School besuchen. Wir drücken ihm für die Prüfung fest die Daumen!!! Ganz stolz berichteten mir alle drei von den überragenden sportlichen Leistungen, die sie in diesem Schuljahr erbracht haben. Alle drei laufen für die Schule und wurden im ganzen Land zu Wettkämpfen geschickt. Sie sind mit Abstand die schnellsten Läufer weit und breit :) Herzlichen dank im Namen der Jungs an Familie Langbein für die Unterstützung sowie an Steffi und Michèl für die lieben Geschenke :)

Auch unser Sonnenschein Kezia besuchte ich in der Schule und konnte sie auch um 18 Uhr am Abend noch beim Lernen antreffen. Sie schreibt nun die Abschlussprüfung der Secondary High School und bereitet sich sehr fleißig darauf vor. Wir sind schon sehr gespannt auf ihre Ergebnisse. Ein ganz großen Dank für die Unterstützung von Kezia geht an dieser Stelle an Manu und Uwe!!!

Über die Feiertage besuchte uns Doritha in Nkawkaw und ich nutzte gleich die Gelegenheit mit ihr zusammen ihre Tochter Christiana zu besuchen. Nach einer unendlichen Fahrt über die holprigsten Straßen in Ghana kamen wir in kochender Hitze dort an und das erste was wir im Dorf entdeckten war eine riesige Schlange, welcher sofort der Kopf von einem Dorfbewohner abgetrennt wurde yell

Christiana war grade bei einer Freundin spielen und als sie uns von Weitem erblickte, stürmte sie sofort herbei und sprang in unsere Arme smile Auch wenn die Lebensumstände in diesem Dorf sehr einfach sind und Menschen sehr arm sind, so kümmern sie sich doch sehr liebevoll um unsere Kleinste und geben ihr unendlich viel Liebe. Sie fühlt sich sichtlich wohl dort und erzählt begeistert vom Kindergarten. Vielen Dank an Anna und Christoph für die Finanzierung und Unterstützung!!!

Am Ostersonntag kamen auch James, Gershon und Desmond von der Nursing School in Kumasi ange eist um mit ihren Geschwistern und mir ein schönes Fest zu feiern und gemeinsam ein köstliches Mahl zuzubereiten laughing Die Drei sind wohl auf und immer noch begeistert bei der Sache. Sie sind wahnsinnig interessiert daran im Labor zu arbeiten und diese Begeisterung für die Arbeit wird auch in den Prüfungen deutlich. Sie haben alle die gesamten Examen bestanden und sind auch weiterhin fleißig am Lernen. Sie machen uns sehr stolz aber ich muss auch zugeben, dass die Finanzierung der Schule sehr schwierig ist und enorme Summen an Geld in Anspruch nimmt. Aus diesem Grund sind wir auch in diesem Jahr wieder sehr auf Spenden angewiesen und hoffen einfach sehr, dass es uns möglich ist die Jungs bis zum Abschluss zu führen und ihnen somit eine gute Zukunft zu sichern...

Abschließend komme ich zu unseren beiden größten Jungs Prince und Lamptey. Beide befinden sich an einem Training College und werden nach ihrer anspruchsvollen Ausbildung den Beruf des Lehrers antreten. Während Prince an einer privaten Fachhochschule lernt und weiterhin in Nakwkaw bei Eric lebt, lernt Lamptey sehr weit entfernt an einer staatlichen Hochschule. Beide Formen bieten Vor- und Nachteile aber wir sind uns sicher, dass die Beiden nach einer abgeschlossenen Ausbildung an einer Schule in Ghana ihr Geld verdienen werden und ausgesorgt haben. Der Weg dahin ist leider noch ein sehr langer und schwer, auch für uns, denn die Kosten für eine Hochschulausbildung in Ghana sind auch für unsere Verhältnisse sehr hoch. Wir setzen jedoch alles daran dies zu bewerkstelligen, denn die Ergebnisse von Prince und Lamptey sind hervorragend und auch sie machen uns sehr stolz. Da weiß man wofür man so viele Opfer bringt :)

Nach einem schönen Osterfest und zwei unglaublich tollen Wochen in Ghana habe ich wieder schweren Herzens meine Reise nach Deutschland angetreten...Natürlich mit den Gedanken: „Ich komme bald zurück...“