Christin in Ghana: Juli 2017

Christin in Ghana: Juli 2017

In diesem Jahr musste ich mich sehr lange gedulden, bis ich endlich wieder nach Ghana reisen konnte. Im Juli setzte ich mich nun zum 18. mal in den Flieger nach Ghana. Kurz vor Mitternacht ging es los. Mit dem Zug reiste ich nach Frankfurt. Am Flughafen angekommen drückte die Fluggenossenschaft meines Vertrauens glücklicherweise ein Auge zu und ermöglichte mir die Reise trotz Übergewicht und zu viel Flüßigkeiten im Handgepäck (Seifenblasen!) ohne weitere Kosten oder Umstände anzutreten. Danke!!!

Um 21Uhr des folgenden Abends konnte ich die Kinder endlich in meine Arme schließen. Was für ein schönes Gefühl. Alle waren wohl auf und begrüßten mich wie immer herzlich. Auch mein Lieblingsessen Fufu wurde gleich zubereitet.

Wie immer machte ich gleich am nächsten Morgen um 6.00 Uhr einen Spaziergang mit dem Hund Bush, der mittlerweile besser rollen als laufen kann... Auch 9 kleiner Welpen gibt es nun bei Eric auf dem Hof. Den Rest des Tages verbrachte ich dann weitestgehend damit die Kleidung zu sortieren, die ich für die Kids aus Deutschland mitgebracht hatte und mit den Kleinen zu spielen. Den Abend nutzen Eric und ich dann für einen ausgiebigen Austausch über alles Neue in Projekt. Es ist gut, mit Eric zu sprechen, er weiss immer genau bescheid, denn zurzeit leben 6 Kinder/ Jugendliche aus dem ehemaligen Waisenhaus TOMO-NI bei Eric auf der Hühnerfarm in Nkawkaw.

P und K waren auch in Nkawkaw, weil sie gerade Ferien haben. Sie verbringen gerne ihre Freizeit hier in Nkawkaw, so können sie Eric zu helfen und bei ihrem leiblichen Bruder Eric sowie ihren Freunden aus dem Waisenhaus sein. Obwohl sie Urlaub haben, sind sie sehr fleissig, helfen vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bei den anfallenden Aufgaben. Zum Glück haben sie dennoch immer wieder Zeit zum Fußball spielen und rumalbern. Die Ergebnisse der Junior Highschool-Abschlussprüfung erwarten wir hochgespannt im September. Die beiden sind jedenfalls fest davon überzeugt, dass sie gut abgeschnitten haben. Und das hoffen wir alle natürlich auch! Wenn alles gut geht, werden beide dann im nächsten Schuljahr (Oktober) die Secondary Highschool beginnen.

Ihr Bruder Eric (Yaw) dagegen wohnt dauerhaft bei Eric in Nkawkaw, da er von dort aus die Secondary Highschool besucht. Er ist nun am Ende des ersten Schuljahres und hat während meines Aufenthaltes in Ghana gerade begonnen seine Prüfungen für dieses Jahr zu schreiben. Jeden Abend konnte man beobachten wie er sich mit seinen Büchern in eine ruhige Ecke zurückzog und strebsam lernte. Am Ende jeder Lernzeit wurde er dann von Prince abgefragt und weitere Inhalte wurden besprochen. Das war sehr schön mit anzusehen und ich hoffe sehr, dass es auch Früchte trägt. Prince ist für diesen Posten auch die beste Besetzung, da er auf dem besten Weg ist ein wirklich guter Lehrer zu werden. Er lebt bei Eric und wochentags unterstützt er ihn tatkräftig und am Wochenende drückt er die Schulbank um später sein Wissen weiterzugeben.

Auch Kudjo ist weiterhin in Nkawkaw anzutreffen, da seine Bewerbung bei der Polizei und dem Militär leider seit drei Jahren gescheitert sind und er sich bisher absolut keinen anderen Beruf vorstellen konnte. Dafür arbeitet er jeden Tag fleißig bei Eric und verdient sich sozusagen sein eigenes Geld. In vielen Gesprächen habe ich mit ihm über seine Zukunft gesprochen und er weiß, dass wir ihn weiterhin beim Erlernen eines Berufes unterstützen werden. Zudem war es uns gemeinsam möglich einen Plan B festzulegen. Dieser heißt: Sollte die Bewerbung bei der Polizei auch in diesem Jahr wieder scheitern, wird er im Oktober die Ausbildung an der „Nursing school“ starten, wo er eine labortechnische Ausbildung bekommen kann.

Und der sechste im Bunde ist Gershon. Er lebt derzeit bei Eric, weil er seine Ausbildung an der Nursing School zwar beendet, aber noch keine Anstellung gefunden hat. Dafür schreibt er jedoch jeden Tag Bewerbungen und reist von Krankenhaus zu Krankenhaus um sich persönlich vorstellen. Auch hier heißt es nun Daumen drücken!

Die anderen beiden Jungen, welche die Nursing school besucht haben, Desmond und James haben bereits Krankenhäuser gefunden!!! Dort sind sie nun für 6 Monate auf Probe angestellt und müssen ihr Wissen und Können unter Beweis stellen. Ich habe keine Zweifel daran, dass sie dies mit Bravour bestehen. Werden sie anschließend übernommen, beginnen auch ihr Gehaltszahlungen und wir können sie in eine abgesicherte Zukunft entlassen. Darüber freuen wir im Verein uns alle sehr! Um sie bei diesem großen Schritt zu unterstützen, möchten wir sie gern im Vorfeld mit einer Grundausstattung, wie Bett, Matratze, Küchenutensilien etc. ausstatten. Aktuell haben sie nämlich nur das Nötigste und schlafen auf einer Matratze ohne Bett, welche sie noch von Schulzeit besitzen. Auch wenn sie eventuell in einigen Monaten ihr eigenes Geld verdienen, wird dies zwar ausreichen um sich zu versorgen, aber unmöglich um sich komplett auszustatten. Wir möchten sie mit ruhigen Gewissens fliegen lassen...

Am nächsten Tag machte ich mich gleich mit Prince auf nach Obomeng. Dort empfing mich Christiana voller Begeisterung und nahm ihre Geschenke gern entgegen. Ihr Pateneltern haben mir nämlich verschiedene Schul- und Malsachen mitgegeben und ihr damit eine riesige Freude beschert. Vielen lieben dank, Anna & Christoph! Christiana geht es sehr gut. Sie ist mittlerweil ein großes Mädchen geworden und verzaubert jeden sofort mit ihrem Lächeln. In der Familie geht es ihr sehr gut und sie fühlt sich sichtlich wohl. Sie gehen sehr vertraut mit ihr um und man merkt sofort, dass sie Christiana als Teil ihrer Familie angenommen haben. Darüber bin ich sehr froh. Auch nach Rücksprache mit ihrer Erzieherin wird klar, dass es ihr gut geht und wir uns keine Sorgen machen müssen! Insgesamt habe ich sie während meiner Zeit in Ghana viermal besucht und jedesmal konnte ich die gleiche Feststellung machen. Für das nächste „Schuljahr“ im September haben wir ihr neue Schuhe und Socken sowie eine neue Schuluniform gekauft.

Den folgenden Tag widmete ich komplett Nana Yaw, denn die Fahrt zu seinem Wohnort dauert lange... Dort habe ich mich auch lange mit seinem Klassenlehrer unterhalten. Auch von hier fuhr ich wieder sehr zufrieden nach Nkawkaw zurück. Ihm geht es bestens und seine Leistungen in der Schule sind sehr gut. Lediglich der Umstand, dass ich ihm am Tag meines Besuches nicht in der Schule sondern in der Kirche auffand bereitete mir kurz Sorge. Aber sowohl Nana Yaw als auch sein Lehrer bestätigten mir, dass es sich um eine Ausnahme handelte, weil eine Feier in der Kirche stattfand. Ihm ging es sichtlich gut und er schießt weiter in die Höhe. Auch Nana Yaw freute sich über die Sachen und Bücher, die ich ihm aus Deutschland mitgebracht habe.

Unser Sonnenschein Kezia verbrachte wie fast immer einige Tage mit mir und den Kindern von TOMO-NI in Nkawkaw. Wie gewohnt teilten wir uns das Zimmer und verbrachten die meiste Zeit damit, gemeinsam zu kochen, Wasser zu holen, Wäsche zu waschen und zu qutaschen. Als sie ankam, habe ich sie fast nicht erkannt. Kezia hat nun nicht mehr, wie wir sie seit jeher kennen, kurz geschnittene Haare. Nein! Sie trägt nun wie eine richtige Frau lange dunkle Haare. Diese hat sie sich an ihre natürlichen Haare flechten lassen und sie reichen fast bis zum Boden. Im letzten Jahr beendete Kezia bereits die Secondary Highschool und auch sie wollte in diesem Jahr an die Nursing School gehen. Doch dieser Plan wurde uns leider aufgrund von verschärften Zulassungsbedingung durchkreuzt. Ihr Notendurchschnitt reichte nun nicht mehr aus um an einer staatlichen Schule aufgenommen zu werden. Das bedeutet, sie muss erneut lernen und Anfang nächsten Jahres die Prüfungen in einigen Fächern wiederholen. Mit einem besseren Zeugnis kann sie sich dann im Jahr 2018 erneut bewerben. Ein weiteres Daumen drücken ist also nötig. Kezia bedankt sich herzlich bei ihren Pateneltern Uwe & Manu für das tolle Geschenk!

Zu guterletzt nun noch eine freudige Botschaft. Lamptey hat das Training Colleage nach 3 Jahren beendet. Diese Ausbildung war für GhanAid eine finanzielle Herausforderung. Aber: Wir haben es nicht bereut! Er hat alles gegeben und der Abschluss wird ihm eine Stelle an einer staatlichen Schule in Ghana garantieren und somit ein festes monatliches Einkommen. Damit möchte er in Zukunft auch seine „Geschwister“ aus TOMO-NI unterstützen. Ein Vorbild ist er allemal! Derzeit schreibt er noch seine letzten Prüfungen und ab Oktober beginnt er ein 1-jähriges Referendariat an einer zugeteilten staatlichen Schule. Darauf freut er sich schon sehr.

Zum Abschluss noch das schönste Erlebnis meiner Ghanareise in diesem Jahr...Der Besuch eines Schwimmbeckens mit fast allen Kindern von TOMO-NI. Die Freude, das Lachen und Toben sowie die Zufriedenheit an diesem Tag waren einfach überall spürbar und wir verbrachten einen wunderschöne Zeit im kühlen Nass.

Wie immer sehr traurig und mit Herzschmerz, machte ich mich nach zwei Wochen wieder auf die Heimreise...

Vielen lieben Dank an all die Sachspenden, welche ich in den vergangen Monaten von allen Seiten empfangen habe. Ein besonderes Dankeschön an den Heimatverein Olbersleben und alle lieben Menschen von dort für eure tolle Unterstützung! Sowie an meine lieben Kollegen an der Aktivschule und all meine Schüler + Familie, die mir so schöne Sachen gespendet haben. Ebenfalls danken möchte ich dem den Rewe-Markt in Ebeleben für Luftballons und Stifte! Danke auch an dich liebe Carmi für all die Geschenke mit denen du die Kinder so glücklich gemacht hast. Ein Danke auch an alle, die mit ihren Spenden all das ermöglicht haben. Wir sind froh, dass wir 2011 diesen Verein gegründet haben und wir sind überglücklich, dass wir seither so viel Unterstützung erfahren durften.