Christin in Ghana: Jahreswechsel 2017/2018

Christin in Ghana: Jahreswechsel 2017/2018

Das Jahr 2017 endete für mich mit einer Reise nach Ghana. Um gemeinsam mit den Kindern in 2018 zu starten, machte ich mich am 26.12 auf den Weg zu ihnen. Nach einer 27-stündigen Reise kam ich endlich in der Nacht „zu Hause“ an. Außer Kujo schliefen alle tief und fest und die große Begrüßung fand erst am nächsten Morgen statt. Voller Freude konnte ich viele der Kinder aus dem Tomo-Ni Waisenhaus am nächsten Tag in meine Arme schließen. Da in Ghana auch Ferien waren, verbrachten so gut wie alle Kinder ihre Zeit bei ihren „Geschwistern“ in Nkawkaw.

Auch Kezia war die ganze Zeit da! Diesen Monat wird sie sich zum Nachschreiben der letzten Prüfungen eintragen und dann bis Ende das Jahres in die Schule gehen zur Vorbereitung auf die Wiederholung und somit Qualifizierung der Ausbildung zur Krankenschwester. Dafür zieht sie in ein paar Wochen nach Nkawkaw, denn der Weg zur Schule wäre sonst zu weit. So kann sie gemeinsam mit ihren Geschwistern lernen. Vielen Dank auch an dieser Stelle an Kezias Pateneltern für das schöne Weihnachtsgeschenk!

Nana Yaw ist weiterhin gut in der Schule. Er ist insgesamt im oberen Mittelfeld seiner Klasse und das Lernen macht ihm deutlich Spaß. Seine Stärken liegen besonders in den Fächern Mathe und Kunst. Seinem Lehrer zufolge ist er sehr talentiert und kreativ. Wir sind daher natürlich sehr stolz auf ihn. Nana Yaw ist mittlerweile 11 Jahre und wird immer größer und größer. Ein richtiger junger Mann unser „kleiner“ Nana Yaw. In diesem Schuljahr hat er sich sogar auf die Stelle als Schulsprecher beworben, aber aufgrund seines Alters soll er noch ein paar Jahre warten und sich erneut bewerben. Wir sind gespannt…

P besucht seit September 2017 eine Secondary Highschool und lebt dort in einem Internat. Das erste Mal in seinem Leben ist er von seinem Zwillingsbruder K getrennt und die Anfangszeit war für beide Jungen sehr hart, sie haben sich schrecklich vermisst. Da die Schulplätze von staatlicher Seite eingeteilt werden, hatten wir hierauf leider keinen Einfluss. Aber die beiden haben die Trennung letztendlich gut überwunden und beide lernen ihren eigenen Weg zu gehen, was ihrer Persönlichkeitseintwicklung sicherlich auch gut tut und so oft es geht sehen sie sich natürlich in Nkawkaw.

Zu Beginnes seines ersten Halbjahres wurden P alle Sachen inklusive Nahrungsmittel im Internat geklaut, ein übler aber leider üblicher „Streich“ der älteren Schüler. Die Schüler der höheren Klassen nutzen das Unwissen der Neuankömmlinge im Internat aus um sich zu bereichern. Es hat viele in seinem Jahrgang getroffen. Zum Glück war Eric kurz darauf in der Schule und konnte P alles ersetzen und ihn wieder aufbauen. Mittlerweile hat er sich nach eigenen Aussagen gut eingelebt, hat viele neue Freunde gefunden und engagiert sich im Sport. Zu meiner großen Überraschung musste ich auch noch feststellen, dass P wie auch sein Zwillingsbruder die schwierigsten Kurse belegt, die je ein Kind von TOMO-NI belegt hat. Und zwar hat er Technik als Hauptfach gewählt, was viel Mathematik und Physik beinhaltet. Seine Lehrer haben bisher nur positives Feedback gegeben. Sie beschreiben ihn als sehr fleißig und wissbegierig. Das macht uns natürlich auch sehr stolz. Vielen Dank an ihre Paten für die wunderschönen Kleidungsstücke.

K hat sich zu einem unglaublich tollen jungen Mann entwickelt. Es war so schön zu beobachten wie fleißig und umsichtig er ist und fröhlich zu jeder Zeit. Tagsüber hilft er mit seinem Bruder Eric bei der Arbeit und am Abend sieht man die beiden mit ihren Büchern. Sie lernen in jeder freien Sekunde, trotz Ferien! So einen Eifer habe ich bisher noch nie erlebt. Im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder ist K nicht in einem Internat, sondern in einer Seconday Highschool in der Nähe von Nkawkaw. Aus diesem Grund lebt er seit September dauerhaft bei Eric. Die anderen Kinder haben mir berichtet, dass sie ihn sogar nachts um 3 Uhr lernen sehen, wenn sie nochmal aufstehen. In den Hauptfächern belegt er ähnlich schwere Fächer wie P, sein Schwerpunktfach ist „Agriculture“. Dabei befasst er sich sehr tiefgreifend mit den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und auch Physik. Trotz der Ferien sind wir gemeinsam zu seiner Schule gefahren und was mich dort erwartet hat, hätte ich im Leben nicht gedacht. Riesige neue Gebäude und eine sehr gepflegte Anlage. Die Schule wurde erst im Jahr 2016 eröffnet und umfasst die 3 Jahrgänge der Secondary Highschool. Insgesamt besuchen weit über 1.000 Schüler die Schule. K sagte in seiner Klasse seien 42 Schüler. Meinen Gedanken „Das sind aber viele“, verlor ich ganz schnell wieder, nachdem er mir sagte, dass in anderen Klassen 82 Schüler lernen. K fühlt sich jedoch sehr wohl und auch hier bekamen wir von den Lehrern nur positives Feedback!

Der große Bruder der Zwillinge Eric (Yaw) wohnt nun seit längerer Zeit in Nkawkaw und besucht im zweiten Jahr die Secondary Highschool. Er tut sich in der Schule etwas schwerer, aber er wird sein Bestes geben, um einen guten Abschluss zu erzielen. In Sachen Arbeit und Hilfe für Eric (Koordinator) steht er jedoch seinen Brüdern und den anderen Jungen nicht nach. Er packt zu und ist immer für einen Spaß zu haben.


James gehts bestens. Er arbeitet in Konongo in einem privaten Krankenhaus. Leider noch unentgeltlich da zum endgültigen Abschluss der Ausbildung an der „nursing school“ noch ein 1-monatiger Kurs offen war, welcher Voraussetzung für das Abschlusszeugnis ist. Dieser Kurs findet nun vom 07.01.18 bis Anfang Februar statt und James, Gershon und Desmond nehmen daran teil. Nach Beendigung des Kurses wird James weiter im Krankenhaus arbeiten und wir werden ihn weiterhin dabei unterstützen eine gute Grundlage für sein Leben zu schaffen indem wir ihn mit einer Grundausstattung an Küchenutensilien, Möbeln etc. ausstatten, denn sein Anfangsgehalt, was er dann hoffentlich ab diesem Jahr bekommt wird das leider nicht alles abdecken können. Die Feiertage verbrachte James mit uns in Nkawkaw in der Zeit dazwischen musste er zwar leider arbeiten, dennoch hatten wir genügend Zeit über seine derzeitige Arbeit und sein Leben zu sprechen. Er meistert alles wirklich wunderbar.

Desmond arbeitet derzeit in der Nähe von Koforidua in einem Krankenhaus. Auch leider noch ohne Bezahlung. Er befindet sich in derselben Situation wie James. Derzeit besucht er den Abschlusskurs und anschließend wird er weiter in seinem Krankenhaus arbeiten. Auch ihn werden wir bei seinem Start ins Berufsleben unterstützen. Desmond besuchte uns ebenfalls für einige Tage in Nkawkaw. Mit Freude erzählte er vom der Arbeit im Krankenhaus. Es macht ihm Spaß und auch er scheint seinen Weg gefunden zu haben.

Gershon besucht ebenfalls gerade den letzten Kurs der Ausbildung und kommt danach wieder zurück nach Nkawkaw. Während meines Aufenthaltes war er die ganze Zeit da und hat fleißig mit angepackt oder Bewerbungen gesprochen und in Krankenhäusern vorgesprochen. Und nun gibt es sogar endlich gute Nachrichten. Ein Krankenhaus hat Interesse bekundet. Die einzige Voraussetzung ist das Zertifikat, welches Gershon am Ende des Kurses bekommt. Nun drücken wir also fest die Daumen, dass er die Stelle bekommt und auf eigenen Beinen stehen kann.

Prince lebt weiterhin in Nkawkaw und wir hatten somit jeden Tag Zeit für Gespräche. Er ist sehr fleißig und arbeitet jeden Tag von Morgengrauen bis in die Dunkelheit für Eric. An den Wochenenden besucht er weiterhin die Schule und wird voraussichtlich in nächsten Jahr die Ausbildung beenden und beginnen zu unterrichten. Natürlich auch erstmal unentgeltlich. Das ist leider in Ghana so üblich.

Lamptey ist seit dem 1.12.17 als Lehrer in einer Primary School angestellt. Die Schule ist ca. eine halbe Stunde von Nkawkaw entfernt. Wir haben jetzt ein Zimmer für ihn gemietet und er fährt jeden Tag zur Schule. Leider wird auch er noch nicht bezahlt. Das gesamte erste Jahr müssen die neuen Lehrer ohne Lohn unterrichten. Lamptey ist Klassenlehrer einer 5. Klasse und unterrichtet alle Fächer. Das heißt er macht pro Woche fast 30 Vorbereitungen für den Unterricht. Selbst zwischen Feiertagen habe ich ihn nur mit seinen Büchern angetroffen und einer riesigen Tabelle in der er seine Stundenplanungen notiert hat. Man merkt richtig wie sehr er in diesem Beruf aufblüht. Nun heißt es also ihn durch das erste Jahr zu begleiten und danach wird er seinen eigenen Weg gehen.

Christiana ist wohl auf. Sie lacht und strahlt, tobt und tanzt wie eh und je. Ein so fröhliches und liebes Mädchen. Leider hatte ihr Pflegevater einen Schlaganfall und ist zurzeit noch sehr eingeschränkt. Es ist zwar schon 5 Monate her, aber er beginnt gerade erst wieder zu laufen. Er möchte stark für seine Familie sein und besonders für Christiana da sein. Das ist herzzerreißend die beiden zusammen zu sehen. Er sagte seit seinem Schlaganfall kommt Christiana jeden Morgen an sein Bett um ihm einen schönen Tag zu wünschen und betet für ihn, dass er schnell wieder gesund wird. Im Kindergarten wird sie auch nur gelobt für ihre liebe Art. Ihre Mutter Doritha (auch aus dem Waisenhaus TOMO-NI) geht es hervorragend. Sie arbeitet weiterhin in Accra als Haushaltshilfe und besucht ihre Tochter so oft wie möglich ca. alle 2 Monate. Sie hat sich nun dazu entschlossen noch einmal die Schulbank zu drücken und ihren Abschluss nachzuholen. Diesen hat sie damals aufgrund der Schwangerschaft abgebrochen. Ich finde diese Entscheidung sehr schön und wir werden sie natürlich dabei unterstützen.

Doritha hat auch einige Tage in Nkawkaw verbracht und wir hatten somit mal wieder die Gelegenheit ausführlich zu quatschen.

Natürlich haben wir uns auch wieder einen Tag lang nur dem Kochen gewidmet und ein riesiges verspätetes Weihnachtsessen zubereitet. Mit Reis, Gemüse und Hühnchen konnte man die alle Augen strahlen sehen. Nach 10 wunderschönen Tagen voller herzlicher Augenblicke trat ich nun wieder die Heimreise an. Und nun freue ich mich auf meine nächste Rückkehr in 6 Monaten.